So, 3. Dez 2023
news Netzwerktreffen

„Wir brauchen Sichtbarkeit, Förderung, Vernetzung und DiversitĂ€t!“

Die bayerische Comic-Szene organisiert sich

Gruppenbild der bayerischen Comicszene in der Monacensia
©Dashuber/Hopf

Mehr als 50 Comic-Schaffende aus ganz Bayern haben sich am vergangenen Wochenende in MĂŒnchen getroffen, um ĂŒber ihre Arbeitsbedingungen zu sprechen. Das Ziel des zweitĂ€gigen Netzwerktreffens war es, den Austausch innerhalb der Szene zu verbessern und gemeinsame Ziele fĂŒr die Zukunft zu erarbeiten. Möglich wurde die Veranstaltung durch eine umfangreiche Förderung des Bayerischen Staatsministeriums fĂŒr Wissenschaft und Kunst im Rahmen des „Neustart-Pakets Freie Kunst”.

Dabei war die Tagung mit dem Titel „Establishing Shot“ nur der Auftakt eines großangelegten Förderprojekts fĂŒr die freie Comic-Szene, das bis ins nĂ€chste Jahr reichen wird. Markus Blume, der bayerische Staatsminister fĂŒr Wissenschaft und Kunst, betonte in einem verlesenen Statement: „Comics vereinen die Macht der Bilder mit der Kraft des ErzĂ€hlens. Ihre heutige Bandbreite ist beeindruckend: Comics erklĂ€ren Wissenschaft, nehmen uns mit auf eine Reise in die Vergangenheit oder entfĂŒhren uns in Fantasiewelten. Comic ist Kunst, Erkenntnisinstrument und ErzĂ€hlmedium zugleich. GrĂŒnde genug, um die Comic-Förderung in Bayern voranzutreiben. Mit dem Neustart-Paket Freie Kunst bieten wir unserer lebendigen Comic-Szene eine neue Heimat in der bayerischen Förderlandschaft.“

Comicschaffende sitzen als Gruppe in der Monacensia.
©Dashuber/Hopf

Die VortrĂ€ge, fĂŒr die die MĂŒnchner Monacensia im Hildebrandhaus ihre RĂ€ume zur VerfĂŒgung gestellt hatten, drehten sich um Fragen wie: Worauf muss man bei der Bewerbung um Stipendien und Förderungen achten? Welche UnterstĂŒtzung brauchen Comic-Schaffende, die gleichzeitig Care-Arbeit leisten? Wie funktioniert die Kooperation mit Institutionen oder Forschungseinrichtungen? Wie fördern wir DiversitĂ€t und Vielfalt? Und warum berĂŒcksichtigen die meisten Förderungen nicht die spezifische Situation von Comic-Schaffenden? Viele Teilnehmer*innen berichteten davon, wie ungeheuer zeitaufwendig die Arbeit an Comics und Graphic Novels ist. „Comic ist nicht Sprint, sondern Marathon“, erklĂ€rte die MĂŒnchner Comiczeichnerin Barbara Yelin. Das verlange nach anderen Rahmenbedingungen bei der Förderung, ergĂ€nzt Zeichner Dominik Wendland. Besonders im Vergleich mit anderen BundeslĂ€ndern seien die Comic-StudiengĂ€nge und Comicförderung in Bayern bisher marginal geblieben. Umso mehr begrĂŒĂŸten die Teilnehmenden das großangelegte Förderprojekt des Freistaates als zukunftsweisenden Startschuss.

©Dashuber/Hopf
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Am Samstagnachmittag berieten Vertreter*innen der wichtigsten bayerischen Institutionen (Comic-Salon, Comicfestival, Comicmuseum, mehrere Comic-Vereine) in einer großen Runde darĂŒber, wie sie sich kĂŒnftig besser vernetzen können. Alle Institutionen eint die Vision, den Comic als Kunstform besser sichtbar machen zu wollen und sich stĂ€rker um Nachwuchs zu kĂŒmmern.
Foto: Dashuber/Hopf
In einer Abschlussrunde erarbeiteten die Comic-Schaffenden ihre Forderungen, Visionen und VerbesserungsvorschlĂ€ge. Zentrale Punkte: “Förderung, die greift – DiversitĂ€t – Vernetzung – Sichtbarkeit.” Dazu gehören die GrĂŒndung einer Interessenvertretung, die als zentraler Ansprechpartner fĂŒr Institutionen in Freistaat und Kommunen und Medien dienen soll, ein Comic-Zentrum als Ort fĂŒr Austausch und Veranstaltungen, mehr Förderprogramme fĂŒr den Nachwuchs und altersunabhĂ€ngige UnterstĂŒtzung. Als wichtiges Ziel wurde außerdem die Schaffung von StudiengĂ€ngen mit Comic-Schwerpunkt an bayerischen Hochschulen anvisiert.

©Dashuber/Hopf; GraphicRecording ©HeikeHaas
©Dashuber/Hopf; Graphic Recording ©HeikeHaas
©Dashuber/Hopf
©Dashuber/Hopf
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Das Projekt: Das Netzwerktreffen „Establishing Shot“ ist der erste Teil einer Serie von Veranstaltungen zur StĂ€rkung der bayerischen Comic-Szene. Das zweite Format ist die Lesungsreihe „Talking Heads“, die im Herbst und Winter in Comic-Ateliers in MĂŒnchen, NĂŒrnberg, Augsburg und Erlangen stattfinden wird. Als öffentliches und ĂŒberregionales Angebot folgt am 11. Februar 2023 das Symposium „Panel Panel: Bilder fĂŒr das Unsichtbare. Comic-KĂŒnstler*innen im Dialog mit den Wissenschaften“ im MĂŒnchner Literaturhaus. Die Initiator*innen sind Barbara Yelin, Dominik Wendland, Anna Fuchs, Jutta Pilgram und Ulrike BĂŒhrlen (Organisation). ProjekttrĂ€ger ist die Illustratoren Organisation e.V. (IO).